05.10.2019
Szenerie III – Seltsame Schleifen
Trickster
saasfee*pavillon
2019 setzen Stephan Engelke und Sven Fritz unter dem Pseudonym Trickster eine Reihe von fünf gestalteten Szenerien in fünf Städten um, die zeitlich klar begrenzt unterschiedliche mediale Komponenten im Sinne des Gesamtkunstwerkes zu jeweils einem bildhaften Ereignis vereinen.
Während bei vielen üblichen Veranstaltungsformen, wie bei einer um Getränke und Musik erweiterten Ausstellungseröffnung, einem Konzert oder einem Club, die einzelnen Elemente oft weitestgehend additiv kombiniert werden und dadurch parallel zueinander stehen, ist das Ziel der Szenerien eine inhaltlich wie formal enge Verflechtung der einzelnen Komponenten zu einem Gesamtbild – einem Abend oder einer Nacht als Bild.
Der entscheidende Parameter hierbei ist das Verhältnis von Sache und Rahmung: die Intention liegt in der Dehierarchisierung im Arrangement, der Neuformulierung oder sogar Auflösung der Kategorien von Anlass einerseits und Begleitumstand andererseits, keine Trennung – ob gewollt oder nicht – von Kulturprogramm und Divertissement, Kunst als dem Eigentlichen und Musik als Stimmungsdienstleister. Konzeptuell verbinden die Szenerien so Aspekte von Environment, theatraler Inszenierung, Performance und Clubkultur (Interessant ist und bleibt der Club vor allem wegen seines Potentials, ein Raum für 'das Andere' zur Gesellschaft zu sein, und ein Raum mit starker bildhafter Dimension!). Das kulturhistorische Feld des Gesamtkunstwerks ist sicherlich kein ungefährliches; es hat schon einige kuriose Blüten getrieben, Allmachtsfantasien und synästhetisch-esoterische Scharlatanerien hervorgebracht. Den Risiken dieser Zielrichtung und der bewusst ergebnisoffenen Konzeption steht aber nicht nur der Intensitätsmehrwert entgegen; der besondere Reiz dieses Experiments liegt nicht zuletzt im (Gefahren-)Potential, darin, dass es so problematisch ist, dass es so schlüpfrig werden, so derbe schiefgehen kann. Eben das ist der Boden, auf dem sich Trickster bewegt; das Alias, das über (oder unter) der ganzen Reihe steht, verkörpert als Figurenfiktion die risikofreudigen, sprunghaften, rollenspielerischen Aspekte und prägt so die gesamte Versuchsanordnung.
Die Szenerie in Frankfurt wird am 5. Oktober von 21.00 bis 2.00 Uhr unter dem Titel Seltsame Schleifen im saasfee*pavillon stattfinden und dabei gedanklich wie formal durch Konzepte der Selbstähnlichkeit und Selbstreferenzialität bestimmt: Echo, Fraktal, Loop, Rekursionen. Stephan Engelke und Sven Fritz werden mit Anna Mirbach, Lorenzo Pompa, Bernhard Schreiner, Adrian Williams sowie Benjamin Bascom und Charlotte Simon vom Frankfurter Label Mmodemm die einzelnen künstlerischen Beiträge zu einer Gesamtsituation verzahnen, die fortlaufend transformiert wird und die dabei clubhafte Konstellationen mit eher Salonartigen einander ablösen, sich gegeneinander verschieben und durchkreuzen lässt. Rahmen und Gerahmtes werden sich immer wieder gegenseitig verdrängen beziehungsweise einander umstülpen.